BESCHLEUNIGER-TAG 2025: Eine Brücke in zehn Wochen

Von Aachen bis zum Tagungsort des Beschleunigertages in Erkelenz sind es rund 50 km. Allein auf dieser Strecke zählte Andreas Huppertz zehn Baustellen sowie 21 Brücken mit Sanierungsbedarf. Für so etwas hat Huppertz ein Auge. Er leitet n.Brücke, das Brückengeschäft der nesseler-Gruppe. "In den nächsten zehn Jahren müssten in Deutschland jedes Jahr rund 120 Brücken erneuert werden", sagte Huppertz. Angesichts der Geschwindigkeit von Planungs- und Genehmigungsprozessen sowie der Dauer der Baumaßnahmen sei es unrealistisch, dass das gelingen könne.
Die nesseler-Gruppe hat deswegen ein Konzept für serielles Bauen entwickelt. "70 bis 80 Prozent unserer Brücken werden im Werk vorproduziert. Dadurch können die Brücken deutlich schneller errichtet werden. Das reduziert die Belastungen für den Verkehr signifikant", sagte Huppertz. Er erläuterte es am Beispiel einer Brücke in Kalkar. Das bestehende Bauwerk wurde an einem Wochenende abgerissen, dafür musste die Straße gesperrt werden. An einem weiteren Wochenende mit Sperrung wurden die im Werk vorbereiteten Bauteile montiert: eine Brücke über 30 Meter Länge und 6 Meter Breite. "Nach dem Wochenende war die Brücke zu rund 70 Prozent fertig. Nach zwei weiteren Wochen war die Konstruktion komplett fertiggestellt." Insgesamt war die Brücke nach zehn Wochen fertiggestellt, in konventioneller Bauweise benötige man dafür zehn Monate. Das hohe Tempo bringt laut Huppertz viele Vorteile: "Es werden weniger Umleitungen nötig, was CO2 einspart. Gewerbetreibende und Logistiker profitieren davon, da sie keine Fahrtzeit durch längere Umleitungen und Staus verlieren."
Hinderlich für die Geschwindigkeit ist Huppertz zufolge vor allem der langwierige Planungsprozess. "In Deutschland ist es in den Köpfen verankert, dass alles individuell erarbeitet werden muss. Straßen.NRW hat 30 Außenstellen. Da sitzen überall Menschen, die sich um Ausschreibungen und Planungen kümmern." Er wünscht sich deutlich weniger komplexe Ausschreibungsverfahren. "Für eine Ausschreibung würde es genügen, die Brücke funktional zu beschreiben: Wie breit soll die Straße sein? Wie soll der Fahrradweg gestaltet werden? Die konkrete Umsetzung könnte der ausführende Anbieter liefern." Die Kosten könnten nach erforderlichen Modulen kalkuliert werden. Laut Huppertz seien so die Preise viel besser abzuschätzen.