BESCHLEUNIGER-TAG 2025: "Nicht ungefragt nach Problemen suchen"

Für einen pragmatischen Umgang bei Auftragsvergaben warb Norbert Zimmermann, Geschäftsführer Objektplanung bei Kempen Krause Ingenieure. Warum das so wichtig sei, erklärte er mit einem Beispiel: Seine Firma hatte die Vergabe der Brandsanierung einer Schule gewonnen. Kurze Zeit später wurde die Schule Opfer der Überflutung im Ahrtal. Zimmermann bot daraufhin der zuständigen Kommune an, die Sanierung der Flutschäden ebenfalls zu übernehmen und verwies auf das Ministerium. Dieses hatte in einem Erlass zu einem pragmatischen Umgang im Zusammenhang mit der Flut aufgerufen. Doch auf Zimmermanns Angebot antwortete der städtische Mitarbeiter: "Was kümmert mich der Erlass des Ministeriums? Ich muss mit meinem Rechnungsprüfungsamt klarkommen."
Kempen Krause erhielt schließlich den Zuschlag zur Sanierung der Flutschäden – aber mit anderthalb Jahren Verzögerung. "Aus dieser Erfahrung werbe ich dafür, nicht ungefragt nach Problemen zu suchen", sagte Zimmermann.
In eine ähnliche Richtung argumentierte Guido Müller, Geschäftsführer bei bft cognos. "Das Motiv bei der Bearbeitung von Baugenehmigungen ist es oft, auch das allerletzte Risiko ausschließen zu wollen", sagte Müller. Die Folge: Baugenehmigungen dauern häufig sehr lange. Müller ist sich bewusst, dass die Anforderungen sehr komplex sind, spezifisches Fachwissen erforderlich ist und die Genehmigung für die gesamte Standzeit des Gebäudes gelten müsse. Gerade deshalb ist es sein Wunsch an die Behörden, dass die Mitarbeiter hochqualifiziert sind, Anspruch auf umfassende Fortbildung haben und dass sie Experten und Sachverständige einbinden. Die Sachverständigen sollten auch umfassende Verantwortung übernehmen dürfen. Er plädierte dafür, dass die Behördenmitarbeiter nur für jene Teile der Genehmigung haftbar gemacht werden können, die sie auch prüfen sollten. Oft habe er den Eindruck, die Behördenmitarbeiter fühlten sich für die komplette Genehmigung haftbar.